Module im Einzelnen

Modul 1: Einführung in Legal Tech und Digital Law

Das erste Modul beginnt mit einer Standortbestimmung: Was bedeuten die Begriffe Legal Tech und Digital Law? Welche Bezüge bestehen zu den Bereichen „E- Justice“ und „E-Government“? Welche digitalen Technologien werden schon heute verwendet? Sind sie erfolgreich? Welche Grenzen ziehen das Rechtsdienstleistungsgesetz und das anwaltliche Berufsrecht bei der automatisieren Rechtsdurchsetzung? Die Studierenden erhalten die Gelegenheit, Legal Tech Anwendungen in praktischen Übungen auszuprobieren. Anschließend erfahren sie Näheres über Blockchain, Smart Contracts, Internet of Things sowie Autonome Systeme. Danach geht es um die Schlüsseltechnologien der Digitalisierung (einschließlich Cloud Computing und Big Data): Künstliche Intelligenz, natürliche Sprache, maschinelles Lernen, Deep Learning. All das bleibt nicht ohne Auswirkungen für den Rechtsberatungsmarkt: Der Wettbewerb wird härter, vor allem durch nicht-anwaltliche Dienstleister, der Druck auf die Honorare steigt, und das nicht nur bei den international tätigen „Law Firms“, sondern auch bei den kleineren und mittleren Kanzleien außerhalb der großen Zentren. Um so wichtiger ist es, mit klugen Geschäftsstrategien die Chancen der Digitalisierung für sich zu nutzen: Wie positioniere ich mich im digitalen Beratungsmarkt? Wie spreche ich neue Mandanten in den sozialen Medien an? Wie überzeuge ich sie mit intelligenten Legal Tech Produkten? Abgerundet wird die Einführung mit einem spannenden Ausflug in die Wirtschaftspsychologie: Wie lassen sich Ängste, die mit der Digitalisierung einhergehen, überwinden? Wie können Menschen für Legal Tech gewonnen werden? Welche Verbindungen bestehen zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz?



Dozenten:
RA Ralph Binder
Prof. Dr. Peter Fischer
Vors. Richterin am OLG Dr. Bettina Mielke, M. A.
Prof. Dr. Christian Wolff

Modul 2: Legal Tech in der juristischen Arbeitspraxis

Modul 2 widmet sich dem Einsatz von Legal Tech in den verschiedenen juristischen Berufsgruppen sowie der Nutzung von Informationstechnologie in den Bereichen Workflow Management, Dokumentenmanagement, elektronische Akte und elektronischer Rechtsverkehr. Dabei geht es um die Auswirkungen auf die Anwaltspraxis genauso wie um aktuelle und zukünftige Entwicklungen im Bereich der digitalen Justiz und des Prozessrechts. Es werden Herausforderungen, Chancen und Grenzen des Einsatzes von Legal Tech aufgezeigt. Das Spektrum reicht dabei von Online-Verfahren, strukturiertem Parteivortrag bis hin zu Legal / Predictive Analytics. Teil des Moduls ist eine Exkursion zum Landgericht Regensburg, bei dem als zweitem Gericht in Bayern 2017 die elektronische Akte eingeführt wurde.



Dozenten:
Dr. Johannes Bader, Vors. Ri am LAG Baden-Württemberg
RA Ralph Binder
Prof. Dr. Reinhard Greger, RiBGH a.D.
Dr. Eberhard Natter, Präsident des LAG Baden-Württemberg
Dr. Christina-Maria Leeb
Dr. Thomas Dickert, Präsident des OLG Nürnberg

Modul 3: Data Science und Big Data für Juristen

Datengetriebene Analysen großer digitaler Informationsbestände (Big Data) sind Grundlage und Triebfeder vieler Innovationen im Bereich Legal Tech. Das Modul Data Science und Big Data für Juristen führt daher in Grundkonzepte der Datenwissenschaft (Data Science) ein und setzt dabei einen Schwerpunkt auf die Verarbeitung großer Textmengen (Texterschließung und -aufbereitung, Text Mining). Aktuelle Projekte mit juristischem Bezug illustrieren die grundlegenden Analyseformen. Typische Anwendungsfelder und Funktionen im juristischen Bereich (Information Retrieval, eDiscovery, „Distant Reading“ für Juristen) werden vorgestellt. Dabei werden gut zugängliche und leicht erlernbare Arbeits- und Analyseumgebungen für Übungen genutzt. Die Möglichkeiten der Wissensrepräsentation und der Wissensmodellierung im juristischen Bereich werden präsentiert und erörtert (Expertensysteme, juristische Wissensmodellierung). Mit den spezifischen Anwendungsmöglichkeiten im juristischen Bereich werden die Studierenden vertraut gemacht. Dabei wird auch vermittelt, wie entsprechende Projekte und Vorhaben bewertet und eingeordnet werden können. Für Legal Tech sind dabei folgende Fragen relevant: Welche Verfahren sind für konkrete Anwendungsideen und Textsammlungen verfügbar? Wie leistungsfähig sind sie? Was kann man mit welcher Methode und mit welchem technischen und personellen Aufwand erreichen? Welche Typen datengetriebener LegalTech-Anwendungen gibt es und wie sind sie aufgebaut?



Dozenten:
Vors. Richterin am OLG Dr. Bettina Mielke, M. A.
Prof. Dr. Christian Wolff

Modul 4: Digital Law I (Schutz von und Haftung für Legal-Tech-Anwendungen, Datenschutz)

Das Modul stellt die Grundlagen des Rechts des geistigen Eigentums vor und geht der Frage nach, ob und wie Legal Tech-Entwicklungen geschützt sein können und wann Schutzrechte durch konkurrierende Angebote verletzt sein können. Damit zusammen hängt die Frage, welche Rechte Nutzern in (Lizenz-) Verträgen eingeräumt werden müssen. Ein ergänzender Schutz kommt auch durch das Wettbewerbsrecht in Betracht, das zudem Haftungsrisiken für Anbieter im Hinblick auf Werbeaussagen, Kundeninformationen und andere Aspekte begründet. Weitere haftungsrechtliche Probleme bestehen bei Legal Tech-Anwendungen auf vertraglicher Ebene sowie bei Schädigungen Dritter (Produkthaftung). Schließlich müssen datenschutzrechtliche Aspekte von Legal-Tech-Anwendungen, insbesondere mit Bezug zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), bei ihrer konkreten Gestaltung und Umsetzung berücksichtigt werden. Nach Abschluss des Moduls sind die Studierenden mit den Grundlagen des Schutzes geistigen Eigentums und des Wettbewerbsrechts mit Bezug zu Legal Tech-Anwendungen vertraut und vermögen entsprechende Haftungsrisiken sowie solche auf vertraglicher und deliktischer Ebene zu erkennen. Sie können für existierende Legal Tech-Anwendungen bewerten, welche rechtlichen Probleme auftreten (beispielsweise die Verletzung von Schutzrechten) und inwieweit die rechtlichen Dimensionen angemessen realisiert sind. Sie können für eigene Geschäftsmodelle und geplante Anwendungen die rechtliche Ausgestaltung in den Bereichen Haftungsrecht, geistiges Eigentum, Wettbewerbsrecht und Datenschutz selbst gestalten.



Dozenten:
Prof. Dr. Jörg Fritzsche
Prof. Dr. Frank Maschmann

Modul 5: Digital Law II (Digitales Vertragsrecht, FinTech, Digitale Arbeitswelt)

Das Modul setzt zunächst einen Schwerpunkt beim digitalen Vertragsrecht. Dieser umfasst u.a. den Vertragsschluss durch Roboter (maschinell ausgelöste Erklärungen), Smart Contracts in Bezug auf die Bücher 1-3 des BGB und mit Bezügen zur Blockchain sowie weitere vertragsrechtliche Fragestellungen (Gegenleistungen; Zahlen mit Daten; Vertragsrecht der Plattformstrukturen). Hierauf aufbauend können einzelne LegalTech-Anwendungen, die im Vertragsrecht verankert sind, analysiert werden. Einen weiteren Schwerpunkt bilden hierauf aufbauend die rechtlichen Aspekte neuer Finanzinstrumente und damit verbundener Geschäftsmodelle (FinTechs). Ausgehend vom (vertrags-)rechtlichen Rahmen werden u.a. automatisierte Vertragsbeziehungen (Robo Advisor) sowie Plattformstrukturen (platform banking; Kapitalmarktplattformen) einschließlich der Anwendungsfälle der Blockchain im Bankrecht adressiert (digital banking and investing). Nach Abschluss dieser beiden Einheiten sind die Studierenden mit den rechtlichen Rahmenbedingungen und spezifischen Problemkreisen des digitalen Vertragsrechts insbesondere im Allgemeinen Teil des BGB sowie im allgemeinen Schuldrecht vertraut. (Neue) Erscheinungsformen des Legal Tech in der Praxis können typisiert und der zutreffende vertragsrechtliche Rahmen kann identifiziert werden; die bei einer Vertragsgestaltung maßgeblichen Aspekte und Gestaltungsmöglichkeiten können benannt werden. Der vertragsrechtliche und aufsichtsrechtliche Regelungsrahmen von FinTechs und die besonderen Fragestellungen bei automatisierten Vertragsbeziehungen sowie Plattformstrukturen sind bekannt. Die Studierenden können die für jeweilige Geschäftstätigkeit und neue Erscheinungsformen maßgebenden vertragsrechtlichen und aufsichtsrechtlichen Regelungen identifizieren. Im letzten Teil des Moduls werden die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt diskutiert. Behandelt werden arbeits-, mitbestimmungs- und datenschutzrechtliche Fragen des Einsatzes von Big Data und KI im Personalwesen (u.a. People Analytics, Precira), der elektronischen Personalakte und der Digitalisierung der Personalverwaltung. Sodann geht es um die Probleme der räumlich und zeitlichen Entgrenzung der Arbeit (mit Fallstudien zum Homeoffice und zum internationalen HR-Management), um die Möglichkeiten und Grenzen des digitalen Outsourcings von Dienstleistungen, um Fragen der sachgerechten Vergütung in der digitalen Arbeitswelt und um die Bewältigung des permanenten Wandels (Änderung von Arbeitsbedingungen, lebenslanges Lernen).



Dozenten:
Prof. Dr. Carsten Herresthal, LL. M.
Prof. Dr. Frank Maschmann

Modul 6: Digital Law III (E-Commerce, alternative Streitbeilegung, Regulierung von Algorithmen)

Das Modul Digital Law III beschäftigt sich mit den Grundlagen und der rechtlichen Ausgestaltung von E-Commerce und digitalem Verbraucherschutz. Seit dem Aufkommen von Legal-Tech-Dienstleistern verlagern sich Verbraucherrechtsberatung und -rechtsdurchsetzung zunehmend in die digitale Sphäre. Nach einer Einführung in die bestehenden Instrumente des Verbraucherschutzes einschließlich der Methoden der alternativen Streitbeilegung wollen wir daher kritisch ausloten, wie technische Hilfen zu einer Verbesserung der Rechtsberatungsqualität und zu einer Ausdifferenzierung des Konfliktlösungsangebots beitragen können. Die Themen reichen vom automatischen Vertragsvollzug über die automatische Vertragsentschädigung einschließlich der insoweit geplanten Vorhaben durch den Gesetzgeber auf nationaler wie internationaler Ebene bis hin zur Entwicklung von Plattformen zur alternativen Streitbeilegung. Weiter werden in diesem Modul die hoch aktuellen Fragen der rechtlichen Regulierung von Algorithmen und künstlicher Intelligenz diskutiert und zu den typischen Erscheinungsformen von Legal Tech in Bezug gesetzt.



Dozenten:
Prof. Dr. Christoph Althammer
PD Dr. Martin Fries
Vors. Richterin am OLG Dr. Bettina Mielke, M. A.
Prof. Dr. Erich Schweighofer

Modul 7: Informationstechnische Grundlagen, Digitale Innovation, Entrepreneurship

Die Entwicklung von Software für Anwendungen im Bereich Legal Tech ist eine zentrale Schlüsselqualifikation für alle Projekte auf diesem Gebiet. Das Modul wird daher voraussetzungslos in die Grundlagen von Programmierung und Softwareentwicklung einführen und diese an konkreten, einfachen und einschlägigen Beispielen herausarbeiten. Gleichzeitig folgt eine Vertiefung der teilweise bereits in Modul 1 angesprochenen Anwendungs- und Entwicklungsfelder im juristischen Bereich (unter anderem Kryptographie, neuronale Netze, Visual Computing und Interaktive Systeme). Neben der softwaretechnischen Dimension spielen auch ökonomische Aspekte digitaler Innovation eine Rolle: Das Modul führt ergänzend in Grundlagen von Digital Entrepreneurship, digitaler Plattformmodelle und die in diesem Bereich zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle nutzbaren Methoden ein (zum Beispiel Design Thinking, Design Sprints). Damit wird erreicht, dass Studierende grundlegende Kenntnisse im Bereich der Softwareentwicklung aufweisen, die sie in die Lage versetzen, aktiv und produktiv an Legal Tech-Projekten mitzuarbeiten und dort die juristische Ausgestaltung und Fachexpertise einzubringen. Dazu gehört auch die Fähigkeit, geeignete Geschäftsmodelle für Legal Tech-Anwendungen zu entwerfen, die Funktionalität solcher Systeme zu konzipieren und rechtlich einzuordnen.



Dozenten:
Vors. Richterin am OLG Dr. Bettina Mielke, M. A.
Prof. Dr. Christian Wolff

Modul 8: Globales Legal Tech und Cybersicherheit

Unsere moderne, hochtechnisierte Gesellschaft ist vom einwandfreien Funktionieren empfindlicher Informationstechnologien und einer leistungsfähigen IT-Infrastruktur hochgradig abhängig. Gleichzeitig bietet die wachsende Anzahl von vernetzten Geräten, die zunehmende Komplexität digitaler Systeme, fehlerhafte Software und schließlich auch die Sorglosigkeit der Anwender digitaler Dienste eine große Angriffsfläche für Cyber-Kriminelle. Das Modul widmet sich den grundlegenden Bedrohungen sowie den Basiskonzepten der Informationssicherheit mit ihren rechtlichen Bezügen. Vermittelt werden Erscheinungsformen der Cyberkriminalität, Analyse eines Informatik-Bestiariums, Einführung in die Kryptographie und Kryptoanalyse, Grundfunktionen vertrauenswürdiger Systeme (z. B. Authentisierung, Autorisierung, Zugriffskontrolle, Beweissicherung). Neben konzeptuellen Inhalten vermittelt das Modul auch praktisches Wissen im Bereich Internetsicherheit, E-Mail-Sicherheit, Digitale Signaturen und Zertifikate, Blockchain, Management der IT-Sicherheit, aktuelle rechtliche und technische Entwicklungen von Legal Tech-Anwendungen.



Dozenten:
Prof. Dr. Günther Pernul
N. N.

Modul 9: Mastermodul

In der Masterarbeit sollen die Studierenden das in den vorherigen Modulen Erlernte anwenden. Zu bearbeiten sind Probleme, die die Digitalisierung des Rechts derzeit bereitet. Das Spektrum der von den Teilnehmern soweit wie möglich selbst gewählten Themen reicht von aktuellen Fragen der Rechtsanwendung bis hin zur Gestaltung neuer und Bewertung bereits vorhandener Legal Tech Anwendungen. In einem Seminar stellen die Studierenden ihr Masterprojekt vor und diskutieren es mit den Betreuern und anderen Teilnehmern des Studiengangs.



Dozenten:
Professoren der Universität Regensburg